Wohl an keiner anderen Stelle veränderte sich das Gesichts Oberwils drastischer wie hier: der gemütliche Postplatz zwischen Bauernhöfen, Dorfbrunnen und dem Restaurant Posthörnli ist zu einem der am stärksten frequentierten Kreuzungen im Kanton Basel-Landschaft geworden. Die Umgestaltung des Unterdorfes leitete der Richtplan 1964 ein, der ganz im Geiste des „Kneschaurek-Berichtes“ stand. „Die Lage der Bauernhöfe im Kerngebiet ist betrieblich nicht mehr tragbar, weil sie vom zugehörigen Kulturland durch breite Wohngürtel getrennt wurden. Viele dieser Höfe sind zudem durch Kulturlandverluste funktionsunfähig geworden. Die starke Zunahme der Motorisierung bringt es mit sich, dass ohne grosszügige Disposition namentlich das Parkierungsproblem im Ortskern mit der Zeit nicht mehr gemeistert werden kann„.

Plan des Postplatzes in Oberwil (Archiv Bauverwaltung Oberwil)

Im Dreieck zwischen Hauptstrasse, Konsumstrasse und Bottmingerstrasse standen die Bauernhöfe der Familien Häring und Gröli, der Postplatz wurde im Norden durch das Restaurant Posthörnli begrenzt. Einst hiess die Wirtschaft „Restaurant zur Post“ und war Namensgeber des Platzes. Heute wird die Kreuzung teilweise auch „Dennerkreuzung“ oder einfach „Kreisel“ genannt, bezugnehmend auf den Grossverteiler, der im Hochhaus an der Binningerstrasse eingemietet war bzw. auf den „Schnäggekreisel“, dessen Aussehen zu Diskussionen Anlass gab. Im Osten des Platzes, dessen Parzelle im Besitz der Mechanischen Ziegelei war, stand der Bauernhof der Familie Binggeli. Heute thronen hier zwei Wohnblöcke über der Konsumstrasse mit einer Bank und der Post im Erdgeschoss.

Das ACV-Verwaltungsgebäude und das Mühlegebäude mit dem Mühleturm im Jahre 1975 (Ka)

Ein erster moderner „Fremdkörper“ beim heutigen Postplatz bildete die um 1950 gebaute „Mühle“ des Allgemeinden Consumvereins (ACV), wenige Jahre später folgte das grosse Silo hinter dem Weinkeller. Ende der 60er Jahre erfolgte mit dem Ausbau der Binningerstrasse und der Hauptstrasse der Abriss des Posthörnlis und der Krone. Die alte Bausubstanz wurde abgetragen, Miststöcke verschwanden, das Lachen der Gäste in den Wirtschaften verstummte. In wenigen Jahren wurde ein lebendiger Platz zu einem Verkehrsknotenpunkt, gesäumt von modernen Wohnblöcken, umgestaltet.

Die krassen Gegensätze belegen die  Bilder auf dieser Seite. Die Fotografie mit den Kommunionkindern zeigt die Abzweigung der Hauptstrasse in die heutige Allschwilerstrasse. Die Steinmauer begrenzte den Garten der Liegenschaft der Familie Ryf-Seiler, gefolgt von der Velos Motos Centrale des Jermann Jules. Das dichte grün im Hintergrund ist Teil des Wehrlinhofes, wo sich heute die Liegenschaft Allschwilerstrasse 2 befindet.

Postplatz mit Blick auf die Kastanienbäume des Restaurant Posthörnli (Ae)

Prozession an Fronleichnam. Einer der Altäre stand vor dem Restaurant Posthörnli auf dem Postplatz. Unten rechts ist der Bauernhof der Familie Binggeli zu sehen, um 1940.

Postplatz mit Kommunionkiner und Werkstatt von Jules Jermann (Ae)

Die Kommunionkinder und Ministranten auf dem Postplatz, begleitet von Geistlichen, die unter dem Baldachin durchs Dorf prozessieren.

Postplatz im Jahre 2016 (Ge)

Blick auf den heutigen Postplatz und die Hauptstrasse, wo einst die Bauernhöfe der Familie Häring und Gröli standen. Rechts steigt die Allschwilerstrasse, früher Lettengasse, zur Ziegelei hinauf, im linken Bildrand schweift der Blick über den Coop Parkplatz, wo einst der Weinkeller des Allgemeinen Consumvereins stand.