Restaurant Posthörnli

Am ehemaligen Postplatz im Unterdorf an der Kreuzung der Hauptverkehrsachsen der Binninger- und Bottmingerstrasse befand sich das Restaurant Post, später Posthörnli genannt. Heute steht an Stelle des Posthörnli ein grosser Wohnblock mit einem Fast Food Restaurant und einer Brockenstube im Erdgeschoss.

„Restaurant zur Post“ (A Stö)

 

Postkarte „Gruss aus Oberwil“, datiert 30. Oktober 1914 (A Stö)

Das Gasthaus gehörte einst Albert Portmann-Kamber, der das „Wohn und Geschäftshaus“ 1906 umbaute. Die Familie führte neben der Wirtschaft einen kleinen Bauernbetrieb, denn einst wurde nur sonntags ein „Zvieriplättli“ aufgetischt, als die Gäste mit der Kutsche aus der Stadt nach Oberwil kamen. Später erweiterte Ernst Zumthor-Portmann das Restaurant, im zweiten Stock wurde eine Wohnung sowie ein Saal eingebaut. Die Küche und die Gaststube befanden sich im Erdgeschoss.

 

Restaurant zur Post (Postkarte) der Familie A. Portmann-Vogt (Ze)

Ab 1948 wirtete Lina Portmann-Keller auf dem Posthörnli, das bekannt wurde für solides und gutes Essen. Häufig spielten Musikkapellen auf und erfreuten die Gäste an den Sonntagnachmittagen. Die lauschige Gartenwirtschaft lud auch die Arbeiter der Mechanischen Ziegelei Oberwil zum Essen ein, teilweise schliefen die Saisoniers auch in einem Gastzimmer im Obergeschoss.

 

Das Restaurant Posthörnli von der „Lättegass“ aus gesehen (A Am)

 

Herzlich willkommen im Posthörnli in Oberwil

So mancher Dorfbewohner und manche Dorfbewohnerin genoss die freundliche und ruhige Atmosphäre im gepflegten ehemaligen Bauernhaus oder draussen unter den grossen Kastanienbäumen. Ein häufiger Gast war der Velomechaniker Jermann Jules, der gegenüber dem Posthörnli seine „Velos Motos Centrale“ betrieb. Auch Pfarrer Richard Kost war ein gerngesehener Gast. Der lustige und aufgestellte Geistliche verkehrte öfters bei Portmanns und unterliess es auch nicht, ab und zu mit Frau Portmann ein Tänzchen zu machen. Um Mitternacht verabschiedete er sich jeweils schleunigst mit der Aussage, er müsse morgen die heilige Messe lesen und dürfe nach Mitternachts nichts mehr zu sich nehmen. Auch ein „Eisenbähnler“ gehörte zu den Stammgästen. Er kam praktisch jeden Abend ins Posthörnli und radelte, meistens angetrunken, um Mitternacht mit dem Fahrrad nach Biel-Benken, obwohl er um 04.00 Uhr morgens bereits wieder am Bahnhof in Basel mit der Arbeit begann.

 

Wirte und Gäste des Restaurant Posthörnli (A Po)

Die erste Frau von links ist die Serviertochter des Posthörnli, rechts neben ihr steht Frau Lina Portmann-Keller, die Wirtin und Mutter von Max Portmann. In der Bildmitte mit Zigarette steht Herr Lüscher, daneben seine Ehefrau, die Schwester von Lina Portmann. Der zweite von rechts war Herr Werner Sommer, der gerne im Posthörnli gegessen hat. Geschlafen hat der Berner im Haus der Familie Ryf-Seiler an der Hauptstrasse 2. Ganz aussen steht der ehemalige Eisenbähnler, der gerne bis um Mitternacht in der Beiz blieb.

Die Familie Portmann waren die letzten Wirte. Sie verkauften das Posthörnli 1960, bevor es 1963 abgerissen und 1969 der Strassenkorrektion und dem Dennerneubau weichen musste.

Der Superdiscount Denner an Stelle des ehemaligen Restaurant Posthörnli

Wo einst das Posthörnli stand, befindet sich heute ein grosser Wohnblock. 1996 führte der Zebrastreifen noch ohne Inseli vom „Radio TV Winter“ über die Binningerstrasse zum Detailhändler Denner, wo sich heute eine Brockenstube befindet. Aufnahme 1996.

 

Das Restaurant Posthörnli am Postplatz (Po)

Im Bildvordergrund sind die Dächer der Bauernhäuser „Hauter Marti“ und „Binggeli“ zu sehen. Der turmartige Aufbau in der Bildmitte war ein Dächlein über der steilen Treppe, die zur Bottmingerstrasse hinunterführte. Im kleinen Häuschen rechts vom Posthörnli hatte Max Portmann seine Werkstatt, wo er mit Lautsprecher und Licht bastelte. Zuoberst im Restaurant wohnte die Familie Zumthor.

 

Das Buffet im Restaurant Posthörnli (Po)

Fröhliches Zusammensitzen im Restaurant (Po)

Das Innere der gemütlichen Gaststube (Po)

Die Wirtin Frau Lina Portmann in der Mitte des Stammtisches (Po)

 

Lina Portmann am Holz spalten (Po)

Im Garten des Posthörnli (Po)

Max Portmann sitzt in der Gartenwirtschaft seiner Eltern. Zwischen dem Tisch und der Laube führte die Treppe hinunter zur Bottmingerstrasse.

 

 Ein fetter Eber im Garten des Posthörnli (Po)

 

Cousin Willi, Kurt und Max Portmann im Garten des Posthörnli (Po)

Hinter den Knaben verläuft die Stallenstrasse (Binningerstrasse). Im Haus in der Bildmitte wohnte „Susanne-Pauli“, wo sich heute die Garage Fuchs befindet. Rechts davon steht das Haus der Familie Laub Sepp (Binningerstrasse 50).

 

Das Innere der Werkstatt von Max Portmann (Po)

 

 Pizza und Kebap im Snack Point, 2013 (Ry)

 

Gartenfest im Posthörnli

„Ein schöner Festplatz war die Wiese hinter dem Restaurant Posthörnli. Die Vereine, welche hier ein Gartenfest abhielten, festeten meistens im Freien ohne Zelt. Eine Bühne aus Holzboden für den Tanz wurde aufgestellt, auf einem Brütschiwagen nahm die Tanzkapelle Platz und die Tische und Bänke standen auf dem Gras der Wiese. Als Attraktion wurde ein Glücksrad eingesetzt. Die Preise waren jeweils Blumenstöcke der Gärtnerei „Ley Dolfi“, die von Dimmeli Marie geliefert wurden. Es wurden Zettel verkauft mit Nummern darauf. Das Glücksrad wurde gedreht und die Nummer, bei welcher das Rad stehen blieb, hatte gewonnen. Auch ein Pfeilbogenstand wurde eingerichtet. Jeweils 4 Schützen schossen zu einem Preis von CHF 1.00, wobei der Beste den Preis, jeweils eine Flasche Wein, entgegennehmen durfte. Auch das „Meersäulirennen“ war ein Hit. In einem Ring wurden an den Rändern Holzställe platziert und nummeriert. Teilnahmezettel konnten zu jeweils 50 Rappen gekauft werden. Dann wurde ein Meerschweinchen in den Ring gesetzt. Dieses versteckte sich dann in einem der Ställchen und wer das richtige Häuschen voraussah, war der Gewinner.

René Stöcklin (1932-2017)