Nur wenige Orte der Schweiz weisen eine so lange Kultkontinuität auf wie der Sporn des Vorderbergs. Diese Stelle ist seit der frühen Römerzeit, das heisst seit dem 1. Jh. n. Chr., besiedelt. Der Fund eines spätrömischen Heiligtumes aus dem 5. Jh. n. Chr. verdeutlicht, wie lange die Menschen hier bereits ihren Glauben bekennen. Es könnte sich dabei sowohl um einen gallorömischen Vierecktempel als auch um einen frühchristlichen Grabbau handeln.

 

Für mehr Informationen  zu den Ausgrabungen unter der Kirche klicken Sie ins Bild links.

 

 

 

Ab Mitte des 7. Jh. wird der Raum nachweislich als christliche Kultstätte verwendet. Im Laufe der Zeit werden die Mauern verstärkt, ein Chorraum angebaut und das Kirchenschiff nach Westen verlängert. Der heute noch bestehende Turm wurde im 14. Jahrhundert angebaut. 1696 wird das frühmittelalterliche Kirchenschiff erneuert, der Chor erhält die heutige polygonale Form. 1896 wird aufgrund des starken Bevölkerungswachstum eine vergrösserte Kirche gebaut, der Kirchturm erhält aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg 1948 die heutige Höhe.  Mehr Infos zur Kirche finden Sie auch auf der Homepage der katholischen Kirche St. Peter und Paul, Oberwil.

Bild der dritten Kirche aus dem Jahre 1696 (AG Ob)

Diese Aufnahme stammt vermutlich aus dem Jahre 1890, also kurz vor dem Kirchenneubau von 1896. Die Kirche aus dem Jahre 1696 wurde unter Pfarrer Johann Sebastian Rieser (1687 – 1713) gebaut, 1697 wurde sie vom Fürstbischof Jakob Wilhelm Rink von Baldenstein eingeweiht. Sie diente der Pfarrei während zweihundert Jahren. Insgesamt 250 Sitzplätze fasste die alte, einschiffige Kirche, bestehend aus einem einfachen Satteldach.

Diese Kirche überlebte die Französische Revolution, obwohl das Fürstbistum 1792 durch den Einmarsch der Franzosen unterging. Im Hause des Oberwiler Meiers Heinrich Wehrlin wurden die birseckischen Klagepunkte zuhanden des Bischofs formuliert. Da der Pfarrer den Eid verweigerte, musste er die Pfarrei verlassen. Die Kirche war geschlossen, die Eltern mussten daher ihre Kinder nach Witterswil zur Taufe bringen. Erst 1801 konnte Pfarrer Nussbaumer wieder aus der Verbannung nach Oberwil zurückkehren. 1804 zählte die Gemeinde 680 katholische Einwohner. Oberwil und das gesamte Birseck kam mit dem Wiener Kongress 1815 zu Basel. Somit wurden die ehemaligen bischöflichen Untertanengebiete des Birsecks der Schweizerischen Eidgenossenschaft zugeteilt.

Seit 1832 gehört die Gemeinde zum Kanton Baselland. 1820 wurde das seit der Gegenreformation zur Pfarrei Oberwil gehörende Neuwil eine eigene Pfarrei.

Das Innere der 1696 errichteten Kirche nach der Renovation von 1813 (AK Ob)

Im Stil des Klassizismus wurde die Kirche 1813 umgestaltet. Auf dem rechten Seitenaltar ist die Statue der Madonna als Himmelskönigin zu sehen. Dieses aus dem 17. Jahrhundert stammende Schmuckstück steht heute im rechten Kirchenschiff vor dem Eingang zur Sakristei.

 

Dieses sehr alte Foto zeigt den Rohbau der heutigen Kirche, 1896! (AK Ob)

 

Die neue Oberwiler Kirche aus dem Jahre 1896, um 1930 (AG Ob)

 

Pfarrer Josef Wilhelm Riesen (1866 – 1939) (A De)

Nachdem der beliebte Pfarrer Albin Brodmann im Sommer 1904 in Oberwil  verabschiedet wurde, wählten die Oberwiler den bisherigen Pfarrer von  Blauen als Nachfolger: Josef Wilhelm Riesen. Unter Pfarrer Riesen wurde  die neue Kirche von 1896 fertig eingerichtet. 1905 wurde der Kreuzweg  und die Kanzel aus Eichenholz eingerichtet, zwei Jahre später die Orgel  zum Preis von Fr. 7’200.- geliefert.

Die neue Oberwiler Kirche wurde anlässlich der Firmung am 25. April 1907  durch Bischof Jacobus Stammler feierlich eingeweiht. Die Kirche wurde  auf ihre bisherigen Patronen St. Peter und Paul geweiht. Ein grosses  Anliegen Riesens war auch die künstlerische Ausmalung der Kirche. Die beiden Künstler Joseph Heimgartner und der Oberwiler Jakob Düblin legten Entwürfe vor. Nach längeren Unstimmigkeiten zwischen dem Pfarrer, der Kirchgemeinde und einer eingesetzten Kulturkommission konnte keine Einigung gefunden werden, die beiden Künstler wurden für ihre Entwürfe  entschädigt und man begnügte sich mit einfachem Ausmalen. 1932 wurde der  elektrische Glockenantrieb eingesetzt, 1934 eine Kirchenheizung. Im selben Jahr erkrankte Pfarrer Riesen und er musste sein Amt niederlegen. Er war während dreissig Jahren Pfarrer in Oberwil. Pfarrer Riesen starb 1939 und wurde vor der Oberwiler Kirche begraben.

 

  Blick in den Chor mit noch offenem Fenster, 11. Jan. 1936 (AK Ob)

 

Das Innere der Kirche nach 1936 (A De)

1935 wählten die Oberwiler den erst dreissigjährigen Kaplan Richard Kost als  Nachfolger von Pfarrer Josef Wilhelm Riesen. Nach der Einrichtung des Don Boscoheims im Keller des Pfarrhauses für die Jungen, nahm sich  der neue Pfarrer der Kirchenausmalung an. Auf dem Foto ist bereits die Umgestaltung zu erkennen: Die Gipsdecke wurde durch eine Holzdecke ersetzt, das mittlere Chorfenster wurde zugemauert und ein grosses Christkönigbild am Chorbogen gemalt. Einige Katholiken wollten dem Oberwiler Kunstmaler Jacques Düblin die Ausmalung überlassen, doch Pfarrer Kost wollte die alten Grabenkämpfe nicht neu aufbrechen lassen. Trotzdem stellten Düblins Freunde sein Weihnachtsgemälde nach einem Hauptgottesdienst vor der Kirche aus, wobei es zu unliebsamen Auseinandersetzungen kam. Erst bei der grossen Kirchenrenovation von 1964/65 unter Pfarrer Baerlocher wurde es dem Oberwiler Künstler ermöglicht, einen Beitrag für die Kirche seiner Heimatgemeinde zu leisten.

Postkarte: Gruss aus Oberwil (A We)

Nach dem Kirchenneubau von 1896 überragte der aus dem 14. Jahrhundert stammende Kirchturm das Kirchenschiff nur noch knapp. Das Geläute kam nur noch knapp über das Dach hinaus, weswegen sich schon bald die Frage nach einer Aufstockung des Turmes stellte. Da 1938 eine Glocke einen Riss aufwies, wollte man auch gleich den Turm um 11,5 m erhöhen, was Kosten in der Höhe von Fr. 36’000.- bedeutet hätte. Das Geld war nicht vorhanden, die Oberwiler beschäftigten sich nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges im Jahre 1939 mit anderen Problemen. 1940 wurde dennoch eine neue Betzeitglocke angeschafft und am 11. November feierlich in den Turm hochgezogen.

   Blick vom Schwanenplatz auf die Kirche (AG Ob)

Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges hatte der Kirchenrat wieder Zeit und Musse, sich mit einem möglichen Turmneubau zu beschäftigen. Der bisherige Charakter des Turms, das Käsbissen- oder Satteldach sollte beibehalten werden. Eine Erhöhung solle ermöglichen, dass die Glocken genügend hoch über dem Kirchenfirst hängen, damit das Geläute ungehindert nach allen Seiten über das Dorf hinausklingen kann. 1946 stimmte die Kirchgemeindeversammlung einer Erhöhung um 7 m und einem Kredit von Fr. 65’000.- zu. Dazu waren bereits Fr. 16’000.- an Spendengeldern aus der Bevölkerung eingegangen! Am 03. Oktober 1948 wurde der neue Turm unter Pfarrer Richard Kost feierlich eingeweiht.

 

Frau Wittlin vor der Kirche (A De)

Um die Dorfkirche befand sich damals noch der Friedhof, was an den Grabsteinen rechts im Bild zu erkennen ist. Im Hingergrund ist die Fassade des Siegristenhauses zu sehen.

Blick vom damaligen Friedhof auf das Pfarrhaus (Ka)

Hauptaltar (AG Ob)

 

Oberwiler Kirche vor der Renovation, 1956 (AG Ob)

 

Bei der grossen Renovation wurden einige Fenster zugemauert, 2012 (Ry)

 

(AG Ob)

(AG Ob)

 

 (Ae)

Blick auf den Hauptaltar im Chor (Ae)

 

Postkarte der Oberwiler Kirche nach der Renovation von 1964/65 (A Ry)

 

Brunnen, der heute auf dem Platz vor der Kirche steht (AG Ob)

 Der neue Storchenhorst 1984 (Ka)

Am Windreedlifest, dem Pfarreifest der Pfarrei St. Peter & Paul Oberwil, wurde das neue Storchennest auf dem ehemaligen Friedhof begutachtet, bevor es…

 … mit einem Helikopter auf den Kirchturm gehievt wurde (Ka)

Der erste Storch im neuen Nest, 1984 (Ka)

Vor der Renovation der Kirche im Jahr 1964 wurde das alte Storchennest entfernt. 20 Jahre später wurde ein neuer Horst montiert und es dauerte auch nicht lange, bis ein Storch auf dem Kirchturm landete. Im Frühling 1986 wurde sogar nach mehreren Jahrzehnten das erste Mal wieder ein Storchenpaar auf dem Oberwiler Kirchturm gesichtet.

Im Juli 2012 wurden drei Jungstörche von Bruno Gardelli, Zoo Basel, beringt. Seit den Neunzigerjahren des letzten Jahrhunderts war dies erst das zweite Mal, dass die Brut überlebte und beringt werden konnte. Die Berufsfeuerwehr Basel stand mit einer Hebebühne im Einsatz, um den über 30 Meter hoch gelegenen Horst zu erreichen.