Oberwils Schulhäuser

Oberwil gehörte weltlich zum Fürstbistum Basel bis zu seinem Untergang 1792. Und geistlich war Oberwil immer Teil der Diözese Basel. Die Schulen standen deshalb unter dem Schirm des Bischofs. Sie standen nicht so sehr im Dienste der allgemeinen Bildung wie heute, sondern vor allem im Dienste der Kirche, der Glaubensvermittlung und -vertiefung. Daher gehörte die Schule zur Pfarrei und hatte den Standort dort, wo der Pfarrer seinen Sitz hatte. Es ist daher anzunehmen, dass auch in Oberwil eine Schule bestand. Sicher bestand 1601, nach der Gegenreformation, in Oberwil eine Schule.

Ursprünglich dürften wohl die Pfarrherren den Unterricht erteilt haben. Nach und nach traten aber an die Stelle der Pfarrer, die sich der Seelsorge widmen mussten, Laien, wie zum Beispiel der Organist oder der Siegrist. Oft waren es Handwerker, die den Unterricht erteilten. Das Niveau der Schulmeister und der Zustand der Schullokale, bedingt durch die allgemeine Armut in den Gemeinden, waren oft sehr bedenklich. Zum Glück gab es in den Gemeinden immer wieder interessierte Laien, die durch edle Stiftungen mithelfen wollten, das Niveau der Schule und der Bildung zu heben. In Oberwil war es Johann Jakob Wehrlin, der den Grundstein für ein anständiges Schulhaus und eine etwas bessere Lehrerbesoldung legte. Eine deutliche Verbesserung erfolgte dann mit der Gründung des Kantons Basel-Landschaft 1835.

Im Jahre 1820 prüfte eine Verwaltungskommission den Zustand der Schulen und hielt Folgendes fest: «Bei den meisten Lehrern herrscht Unwissenheit und Mangel an Tätigkeit, an echtem Sinn für ihre Bestimmung; den Eltern, in grosser Zahl, gebricht es an gutem Willen, ihre Kinder bilden zu lassen, sie betrachten den Schulbesuch als eine Last, und die Kinder, von den falschen Begriffen der Eltern geleitet, versäumen die Schule, oder wenn sie dieselbe besuchen, so geschieht es weder mit Eifer noch mit gesegnetem Erfolg.»

Im Jahr 1833 musste ein Lehrer 122 Kinder betreuen. Im Sommersemester fehlten aber 86 Schüler immer oder fast immer. Nur vier Kinder besuchten die Schule so, dass der Lehrer ihnen etwas hätte beibringen können. Die Bauern behielten die Kinder für Feld- und Hausarbeit daheim.

Der Lehrer Abbé Kiefer beklagte sich auch über die Besoldung:
«Ebenso misslich als mit dem Schulbesuch steht es auch mit meinem Gehalte, welches offenbar nicht hinreicht, um mir eine anständige Kost zu verschaffen und übrige Bedürfnisse zu bestreiten.» Kunststück, als Gehalt waren ihm jährlich 400 Franken zugesichert, doch im Jahr 1833 erhielt er lediglich 233 Franken und 9 Batzen.

 

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Lehrer Brunner vor dem mittleren Schulhaus mit einer gemischten Klasse im Jahre 1902 (A Ry)

Unzählige Kinder durften bei ihr in den Kindergarten: Frau Hauser (A Ry)

In der 3. Klasse bei Lehrer Hügin vor dem Wehrlin-Schulhaus 1942 (A Ry)

 

Vo Giigesaite, Buebestreich und Strooffe

„Es geschah an einem Samstagmorgen. Es gab Lehrkräfte, die konnten das Klavier, die Blockflöte, oder die Handorgel ertönen lassen. Eher aussergewöhnlich war, dass ein Lehrer mit der Geige den Ton angab. Alleine zum Stimmen des Instruments benötigte der Schulmeister an diesem Samstagmorgen einiges an Zeit. Der Grund für die Verstimmung der Geige war, dass einige Schüler Spass daran hatten, in einem unbeaufsichtigten Augenblick, das Streichinstrument zu verstimmen. Da stand nun der Lehrer am Fenster und versuchte die vier Saiten in Einklang zu bringen. Da er zum Fenster hinaus schaute, konnte er nicht sehen, wie einige Schüler mit Griffelschachtel und Lineal ein Streichkonzert mimten. Einer, natürlich wieder einmal ich, war in seinem Tun so vertieft, dass er nicht gewährte, wie sich der Lehrer umdrehte und ihn beobachtete. Der Knabe wurde kurzerhand aufgefordert, an das Lehrerpult zu treten. Natürlich wusste ich, wo es geschlagen hat. Zögernd gehorchte ich der Aufforderung, meine Hände hinzustrecken. Der Schulmeister ergriff das Meerröhrli zog auf und wollte das Folterwerkzeug über die Handballen des Knaben ziehen. Reflexartig zog der Gepeinigte die Hand zurück und der Stab sauste ins Leere. Nicht ganz. Ich hatte unbeabsichtigt meine Greiferchen genau über die Geige gehalten. „Doing!“ Die Geige war unbespielbar und die Klasse gröllte. Nun befand sich der Lehrer in einem Dilemma. Einerseits musste er seine Autorität durchsetzen und den fehlbaren Schüler bestrafen. Andererseits sah er bereits, wie sich das halbe Dorf über das Geschehen amüsierte. Denn er wusste, dass er in der Vergangenheit viel, sehr viel Schläge ausgeteilt hatte. Und das war vor allem bei der jungen Oberwiler Generation noch nicht in Vergessenheit geraten. So kam ich für einmal um die Schläge herum, musste aber dafür bis am darauf folgenden Montag 100 Mal „Ich soll den Lehrer nicht ärgern“ schreiben.

Markus Leuenberger (1946 – 2015)