Eisweiher

Das ehemalige Sumpfgebiet im Bereich des Zusammenflusses von Birsig und Marchbach war früher ein grosser Weiher. 1885 wurde der Eisweiher samt Eiskeller für die Eisproduktion von Xaver Feigenwinter aus Reinach gegründet. Mit dem Bau der Birsigtalbahn wurde im Weiher Eis gewonnen, in einem Keller aufbewahrt und per Eiswagen an die Basler Brauereien geliefert. Der neuerbaute Eiskeller lag an der Bahnlinie und am Sägesträsschen, zwei weitere Eiskeller befanden sich südwestlich der Sägestrasse gegen Therwil links und rechts des Bahntrassees. Zwischen den Weihern gab es ein kleines Brücklein.

 

Pavillon mit Eisbahngarderobe, Musiknische unterhalb des Glöckleins und Restaurationslokal, erbaut 1891 (A De)

 

Der Pavillon zieht immer noch Jugendliche an, heute befindet sich darin das Jugendhaus. Musiknische und Glöcklein sind verschwunden, 2016 (Ry)

 

Wenige Jahre später gründete Xaver Feigenwinter mit Stefan Gschwind die „Eisgesellschaft Oberwil“. Das Eis wurde an die Brauereien und Restaurants von Basel geliefert. Das Abbauen des Eises, das „Eisen“, gab im Winter vielen Oberwilern Verdienst und Arbeit. Auch war es Xaver Feigenwinter, der rasch feststellte, dass sich der Eisweiher sehr gut für das Schlittschuhlaufen eignete. 1889 erstellte er eine erste Eisbahngarderobe und der Eisweiher wurde für das Dorf, das Tal und besonders die Stadt Basel eine grosse Attraktion.

 

Eisbahn Oberwil bei Basel: Postkarte datiert 1908. Die „Basler Eisbahngesellschaft“ erhält im November 1901 die Baubewilligung für Garderobe und Trinkhalle neben dem Pavillon. Einige Jahre später bekommt das Schanklokal den Namen „Zur Davidsruh“ (A Ry)

 

1891 wurde das ganze Areal an die „Basler Eisgesellschaft“ verkauft. Nun beginnt die Geschichte des bekannten Pavillons auf dem Eisweiher-Areal. Gemeindepräsident Paul Degen schreibt an das Statthalteramt Arlesheim, dass keine Einsprachen gegen das neue Projekt eingereicht wurden. Gebaut wurde ein zweistöckiges Gebäude mit Restaurationslokal, Garderobe, Musiknische und zwei Zimmern. Aufgrund des grossen Publikumsandranges erwies sich der Pavillon bald als zu klein, weshalb zu einem Ausbau geschritten wurde: Im 1. Stock eine Zweizimmerwohnung, Küche und Laube, Anbau Keller und Schopf. Die Baubewilligung erfolgte am 29. Oktober 1894.

 

Am Neujahrsmorgen 1927 auf dem Eisweiher (A De)

 

Elegante Oberwilerinnen mit Rock, Hut und „Schruubedämpferli“ auf dem Eisweiher (A De)

Lehrer Franz Gutzwiller, der 1881 von Schönenbuch nach Oberwil kam, der bald in der Gemeinde eine bedeutende politische und kulturelle Rolle spielte, auch als Gemeindeschreiber und zeitweise als Wirt auf der Krone, schrieb in seinem Tagebuch: 17. Dezember 1899: Kolossale Menschenmenge auf dem Eisweiher, über 3’000 Personen“. Der Betrieb auf dem Eisweiher war an den Wochenenden grossartig. Die Nationalzeitung berichtete am 12. Januar 1901: „Die Eisbahn von Oberwil war auch am Sonntag vorwiegend das Ziel der Basler Schlittschuhläufer; schon am Vormittag an hatte die Birsigthalbahn vollauf zu tun und musste bereits um 8 Uhr einen Extrazug einlegen. Am Nachmittag war dann der Andrang ausserordentlich gross. Um dann die nach Oberwil begehrenden Personen befördern zu können, mussten neben den vier fahrplanmässigen Zügen noch weitere fünf Extrazüge eingeschaltet werden. Insgesamt wurden direkt auf der Eisbahn Oberwil rund 2300 Fahrkarten ausgegeben: halb so viele machten den Weg zu Fuss, so dass der Besuch der Eisbahn die Zahl 3’000 weit überschritt.“ Grossinserate in der Presse wiesen auf den Eislauf und die gastierenden Musikkapellen hin, die in der offenen, oben abgerundeten und bemalten Musiknische im ersten Stock des Pavillons spielten. Besonders schön und eindrücklich war das Eislaufen nachts bei festlicher Beleuchtung. Auch Wurst- und Getränkestände gab es auf dem Eisweiher. Lehrer Gutzwiller hält am 28. Januar 1907 in seinem Tagebuch fest: „- 10° grossartiger Eislauf mit elektrischer Beleuchtung“. Pauline Müller-Düblin schrieb in „E Hampfle Erinnerigsbilder vo friehjer“: „Vo Basel sy au Schuelklasse uff dä gross Ysweyer cho; s isch vo dr Bähnlistation numme paar Schritt gsi zem Weyer. Es isch en Unterschied vo de Stadt- und Landchinder gsi, aber mir hei doch e Stolz gha, ass die Städter hei miesse uff s Land, uff sone grosse Ysweyer cho Schlittschue fahre“.

 

In Rock und Hut auf dem Eis (A De)

 

Zeichnung von Jacques Düblin, 1938: Eislaufen (A Dü)

 

Joseph Baumann schrieb über die Eiskeller:

„Der Eiskeller stand viele Jahre lang leer, was für uns Buben geheimnisumwittert war; nur ängstlich wagten wir uns hinein in die finsteren Räume, wo überall noch grosse Sägemehlhaufen lagen. In Sägemehl verpackte man das Eis, das auf Spezialrollwagen nach Basel geführt wurde. Die Alten warnten uns immer vor dem Hineinschleichen in den Eiskeller, es habe darin gefährliche Leute, der „Bölimaa“ gehe herum. Es wurde damals Ende der Zwanzigerjahre viel vom „Chrüterlisi“, einer Mörderin, erzählt, das sich im Keller verberge. Die Rollwagen standen damals noch auf dem Geleise herum, sie und das kleine Eisenbahnbrücklein lockten uns zu verbotenem Spiel. Wir liessen die Schemel rollen auf dem Spezialgeleise, bis einmal ein Schulkamerad einen Finger verlor, als ein Rad darüber rollte, dann hörte für uns das gefährliche Spiel auf.“

Das Eis wurde aber nicht nur nach Basel transportiert, sondern fand auch in den Oberwilern Wirtschaften Verwendung. Niggi Kunz berichtet, wie er den Männern manchmal zugesehen hat, wie sie ca. 1.20 Meter lange Eisblöcke ins Restaurant Posthörnli getragen haben. Mit Lederschutz auf ihren Achseln, hieften sie die schweren Blöcke in den Keller, wo sie in Holzkisten mit isolierten Metallwänden eingelegt wurden. Darin befanden sich Holzfässer oder Flaschen mit Bügelverschluss. Damals hatten die Menschen noch keinen Eisschrank zu Hause, die Butter wurde im Sommer in kaltes Wasser gelegt, damit sie nicht ranzig wurde.

 

Zeichnung von Jacques Düblin, 1940 (A Dü)

 

1910 verkaufte die „Basler Eisgesellschaft“ das gesamte Eisweiherareal an die „Birseck’sche Produktions- & Konsum-Genossenschaft“. 1927 erhielt die Firma Gschwind, Weilenmann & Cie. die Baubewilligung für den Umbau des Eiskellers in eine mechanische Schreinerei, die zahlreichen Tal- und Dorfbewohnern Arbeit brachte. Nachdem die Eisbereitung aufgehoben worden war, kam es zum Verkauf der Liegenschaft ohne die Schreinerei. 1942 wurde das Parterrelokal der Liegenschaft auf dem Eisweiher zu einem Lager- und Werkstattlokal umgebaut 1954 erfolgte anlässlich der zweiten Birsigkorrektion die Zuschüttung des Eisweihers mit Aushubmaterial. 1980/82 wurde der Pavillon in einen Jugendtreffpunkt (Teestübli) umgewandelt, 1982 erfolgte der Bau der Kanalisation. Anlässlich der Verschwisterungsfeier mit der Partnergemeinde Aschau im Zillertal wurde 1989 der Aschauerbrunnen neben dem Pavillon eingeweiht.

Schenklokal „Zur Davidsruh“ auf dem Eisweiher, ca. 1934 (A Ba)

Schruubedämpferli

Die Oberwiler Buben standen stets beim Eisweiher bereit, den noblen Damen und Herren aus Basel die Schlittschuhe, die „Schruubedämpferli“, anzuschrauben, wofür sie oft schöne Trinkgelder bekamen.

„D Buebe hän sich anerbote, de Dame z hälfe dSchlittschue a zieh. Dodrzue hän dFraue miesse ihri lange Röck ufezieh und mit de edle Schue in dSchruubedämpferli stoh. Die ganz alte Schruubedämpferli wo’s geh het, die hän e Vorrichtig kah, und zwar isch das e Metallstift gsi us drei Zacke. Wenn me d Schruube ahzoge het, isch e Metallstift zrugg gange und drei Ysestift sin in Absatz vom Schueh ihne. Das het denne uf beidne Syte vom Schueh e Druck geh und dr Schueh het ghabe. Mit Vater het vrzellt, wie är mit andere Buebe e paar Rappe vrlangt het, zum de alte oder edle Dame zhälfe, die Schlittschue a zlegge. Amigs hets söttigi geh, die hän nüt welle zahle. Denne hän d Buebe drei oder vier Umdreihige meh gmacht, damits e grösseri Spannig geh het. Nach e paar Schritt hets denne glöpft und dr Absatz isch ab gsi. Nochhär hän si zum Schuemacher miesse, wo näbenem Eisweiher uf Kundschaft gwartet het. Der Schuehmacher Müller hets als sträng gha, isch fascht nit noo cho so vill Absätz a znagle. Die Dame hän denne notürlig meh miesse zahle als die paar Rappe Trinkgeld für dBuebe. Eso Streich hän si halt friehner gmacht kah.“

Niggi Kunz (1935-2015), erzählt im August 2012, aufgeschrieben von Pascal Ryf

 

Schruubedämpferli (Ry)

 

Schützen-Bataillon 4, III. Kompagnie: Bereit zum Defilieren auf dem Eisweiher, 1915 (Quelle: Album 2. Division 1915, Sammlung Margherita Schenk)

 

Schwingfest auf dem Eisweiher im Jahre 1931. Im Hintergrund ist das Haus von „Begge-Joggi“ (ehemaliger Nachtwächter) und der Turm der reformierten Kirche zu sehen (A Ry)

 

Schwingfest Eisweiher (A Ae)

 

Der Eisweiher mit dem ehemaligen Pavillon im Herbst 2016 (Ry)