Krypta

Der Sporn des Vorderbergs, heute gut eingepackt von der hohen Mauer entlang der Kirchgasse, ragt erhöht über das Leimental in Richtung Osten. Von Sonnenaufgang bis Untergang ist diese Stelle der Sonne exponiert, ein idealer Ort für kultische Zwecke. Bei der Innenrenovation der katholischen Kirche im Jahre 1964/65 wurden an dieser Stelle Entdeckungen von grosser Bedeutung für die Dorfgeschichte und die ganze Region gemacht. Bei Sondiergrabungen entlang des Kirchenschiffes und im Chorraum stiessen die Archäologen auf gut erhaltene Mauerfragmente, auf Steinkistengräber und auf einen Mühlstein. Der Geländesporn ist seit der frühen Römerzeit besiedelt, das heisst seit dem 1. Jahrhundert n. Chr. Erste Spuren von Gebäuden datieren wohl ins 2./3. Jahrhundert. Die Masse der römischen Ziegelstücke, Tonplatten und Keramikscherben sprechen für eine römische Villa, die in der Nähe der heutigen Kirche gestanden haben könnte. Zwei römische Mauerfundamente sind die ältesten Baureste unterhalb der Kirche. Ihre Interpretation ist unklar.

Die Grabung von 1964/65 kurz vor dem Einzug der Betondecke. Im Vordergrund die Westwand des spätrömischen Gebäude (Ärchäologie Kanton Basel-Landschaft)

Die bedeutendste Entdeckung ist der Kernbau der ältesten Kirche, der aufgrund der Lage und des Bautyps als Heiligtum zu deuten ist. Der 8 x 8 m grosse, quadratische Bau entstand um 400 n. Chr., also noch in römischer Zeit. Der Form nach gleicht er einem gallorömischen Vierecktempel. Es ist schwierig zu sagen, ob es sich um einen heidnischen oder doch bereits um einen christlichen Kultbau handelt. Seit 380 n. Chr. ist das Christentum offizielle Staatsreligion im römischen Imperium, daher könnte der Bau durchaus christlich gewesen sein. Darauf weist eine Grube in der Südostecke hin, die ursprünglich als Grabstätte gedient haben könnte. Gefunden wurde eine etwa 4 kg schwere trapezförmige Bleiplatte sowie römische Münzen. Daraus lässt sich schliessen, dass hier eine bedeutende Persönlichkeit in einer Grabkammer bestattet war. Dank diesem Fund lässt sich eine Kultkontinuität von 400 n. Chr. nachweisen, was in der Schweiz nur auf ganz wenige Fundstellen zutrifft. Zu dieser frühmittelalterlichen Grundherrschaft gehörten auch die bedeutenden Töpfereien, welche 1973 an der Langengasse entdeckt worden sind.

Rekonstruktion der ersten frühmittelalterlichen Kirche aus dem 7. Jahrhundert, Ansicht von Südwesten und Südosten. Das quadratische spätrömische „Kirchenschiff“ ist in dieser Zeit bereits 250 Jahre alt. Nur der kleine Chorraum ist neu (Ärchäologie Kanton Basel-Landschaft)

Spätrömische Münzen, gefunden in Planierschutt unter dem ältesten Lehmboden der Bauphase 2: Kleinbronzen Constantins I., geprägt in Ticinum (Pavia) 334 n. Chr. und in Haeclea (Süditalien) 330-333 n. Chr. (Ärchäologie Kanton Basel-Landschaft)

Ab dem 7. Jh. wird der Raum nachweislich als christlicher Kultbau verwendet. In und um das Gebäude wurden Steinplattengräber angelegt, im Osten ein ebenfalls quadratischer Chorraum angebaut. Insgesamt wurden über 20 Steinkistengräber innerhalb und ausserhalb der frühmittelalterlichen Kirche entdeckt. Die Kisten sind alle, bis auf eine, aus einem schiefrigen, grau-grünlichem bis rötlichem Sandstein. Im Innern sind speziell 5 für Kleinkinder hergerichtet worden. Die Gräber sind zwischen 21-64 cm tief, die Skelette waren mit einer hohen Erdschicht bedeckt. In den Gräbern wurden auch Zweitbestattungen gemacht. Von den 43 Bestatteten haben die meisten eine gestreckte Rücklage. Die Individuen setzen sich aus 10 Frauen, 12 Männer, eine erwachsene Person unbekannten Geschlechts und 20 Kinder bis 11 Jahre zusammen. 4 Personen scheinen verwandt zu sein, da sie alle ein dominantes Merkmal haben. Den Gräbern wurden Tierknochen, Messer, Gürtelschnallen, Glasperlen und Bronzehaken beigelegt. An 2 Individuen konnten Kriegsverletzungen beobachtet werden. Einmal erhielt ein 39jähriger Mann eine tödliche Hiebverletzung ins Stirnbein (wahrscheinlich durch ein Beil). Im zweiten Fall handelt es sich ebenfalls um einen Mann (23 jährig), dessen Beine etwas oberhalb des Knies von hinten mit einem scharfen Instrument abgehackt wurden. Zudem wurde der Mann von hinten geköpft.

Wegen eines Brandereignisses wurde zu Beginn des 8. Jahrhunderts der Chor neu errichtet und das Schiff nach Westen verlängert. Ebenso wurde ein Taufstein aufgestellt, was den Nutzungswandel zu einer eigentlichen Kirche für eine grössere Gemeinde anzeigt. Vermutlich im 11./12. Jahrhundert wurde der Chor nochmals vergrössert. Aufgrund der Massivität der Mauern lässt sich vermuten, dass es sich um einen Turmchor handelte. Im 14. Jahrhundert wurde der Chor nochmals erweitert und an der Nordseite ein Kirchturm angebaut, der heute noch steht.

Die polygonale Form entsteht erst 1696, als nach fast 1000 Jahren das kleine frühmittelalterliche Kirchenschiff ersetzt wird. Das neue Schiff wird länger und brieter. Der Chor in der heutigen Polygonalform wird errichtet. Aufnahme 2013 (Ry)