Brunnen

In früheren Zeiten- bis zur Installation von Wasserleitungen in die Liegenschaften etwa ab 1940 – dienten Brunnen den Bewohner des Dorfes in erster Linie als öffentlich zugängliche Orte der Wasserversorgung. Sie waren aber auch ein beliebter Treffpunkt für die Bevölkerung, ein Ort an dem die Wäsche gewaschen wurde und wohl auch Neuigkeiten und Dorfklatsch verbreitet wurden. Auch als Viehtränken waren die vielen Brunnen unentbehrlich. In der heutigen Zeit sind sie stolze und beliebte Zeugen vergangener Zeiten von kulturhistorischer Bedeutung, die die Bevölkerung nicht nur an heissen Sommertagen erfreuen.

In Oberwil gibt es insgesamt 26 Brunnen, wovon sich 11 sogenannte «Laufbrunnen» im Ortskern befinden. 6 dieser «Zeitzeugen» sind im kantonalen Kulturgüterinventar erfasst.

Es sind dies der «Ochsenbrunnen», der «Rösslibrunnen», der Brunnen vor dem Haus Nr. 19 an der Hohlegasse, der «Kummelenbrunnen», der «Schwanenbrunnen» und der Brunnen an der Schmiedengasse.

Nicht alle Oberwiler Brunnen stehen heute noch an ihrem ursprünglichen Standort. Insbesondere an der Haupstrasse, im Zuge mehrerer Neugestaltungen kam es vor allem in den Jahren 1940-1950 unter einem Strassenmeister namens Düblin bei einigen Brunnen gleich zu mehreren Umplatzierungen.

1918 wurde in Reinach die erste Grundwasserbohrung durchgeführt. Am 13. Juli 1919 beschliesst die Gemeindeversammlung Oberwil, grundsätzlich auf die Förderung von Grundwasser einzutreten. Infolge Wasser mangels wurde das Oberwiler Reservoir nur noch 1 Stunde morgens und 1 Stunde abends geöffnet.

1921 kam es zum Vertragsabschluss mit Reinach. Für die Einweihungsfeier am 15. Oktober 1921 wurden alle Brunnen im Dorf mit Blumen geschmückt und mit Sprüchen versehen.

Einweihungsspruch «Kronenbrunnen» bzw. «Ochsenenbrunnen»

«Fliesse, langersehntes Nass,
Ergiesse Deinen Segen.
Nimm der Hausfrau’n Sorgen ab,
beim Kochen und beim Fegen.
Lang genug die Brunnen standen,
Trog und Röhre trocken,
bis aus Reinachs nassen Landen,
sich die Flut ergossen.
Männer Reinachs für Eure Tat,
wir Euch von Herzen danken,
mög di ausgestreute Saat,
die Freundschaft gut verankern.
Bei aller Not die wir durchmacht,
ist eines heut entschieden,
der Wein erhielt kein Wasserg’schmack,
er ist uns rein geblieben».

Der Brunnen beim ehemaligen Gasthof zum Ochsen steht am nördlichen Dorfeingang vor dem «Ochsen Bürgerhus» und gegenüber des ehemaligen Restaurants Krone. Der Brunnen steht etwas erhöht parallel zu der dahinter errichteten Stützmauer. Er besteht aus einem länglichen und einem kleineren Trog, wovon der kleine die Jahreszahl 1848 trägt. Der markante viereckige Stock endet in einer profilierten Deckplatte und einem pyramidenförmigen Abschluss mit Kugel.

«Schlüsselbrunenn» bzw. «Rösslibrunnen»

 

Der Brunnen vor der Dorfmetzgerei steht wie der Ochsenbrunnen parallel zur Strasse. Er wird häufig als «Rösslibrunnen» bezeichnet, bei der Einweihung des Reinacherwassers am 15. Oktober 1921 war vom «Schlüsselbrunnen» die Rede, da er gegenüber des Restaurant Schlüssels steht.

Doch auch die Bezeichnung «Rösslibrunnen» hat seine Berechtigung, auch wenn der Brunnen heute nicht mehr direkt vor dem Restaurant Rössli steht. 1906 erwarb Jakob Nyffeler, ein Basler Architekt, das Rössli und baute im Garten des Gasthofes eine neue Liegenschaft, die heutige Hauptstrasse 28 mit der Metzergei im Erdgeschoss. Seither steht die Liegenschaft zwischen dem Brunnen und dem Restaurant.

Der Brunnen besteht aus einem schmalen Stock mit Deckplatte und Pyramidenabschluss und einer Kugel. Leider lässt sich anhand des Baustils des Brunnenpfeilers nicht abschliessend bestimmen, in welcher Zeit dieser entstanden ist, denn pyramidenförmige Pfeiler sind aus verschiedenen Epochen bekannt. Am Wahrscheinlichsten ist es aber, dass zumindest der Brunnenpfeiler aus einer Zeit zwischen 1780- 1850 stammt. An den Längstrog, fügt sich ein kleiner Trog mit der Jahreszahl 1941. Die kleineren Tröge am hinteren Ende des Hauptbrunnens werden als «Sudeltrog» bezeichnet. Es ist aber leicht erkennbar, dass der Sudeltrog aus einem anderen Material hergestellt wurde als der Hauptbrunnen und wesentlich später gebaut worden ist.

 

Immer wieder sind kleinere oder grössere Renovationen nötig, manchmal geplant oft aber auch ungeplant, denn Eis Frost und grosse Hitze erzeugen oft Risse im Stein. Die letzte, planmässige Instandsetzung von insgesamt 9 Brunnen begann in mehreren Etappen im Herbst 2023 und soll sich über 3 Jahre erstrecken.

Seit einiger Zeit wird das Wasser in der kälteren Jahreszeit abgestellt. Das macht natürlich Sinn, schon allein wegen der immer knapper werdenden Wassermenge die uns zur Verfügung steht. Dass fliessendes Brunnenwasser auch in der relativ wasserreichen Schweiz nicht selbstverständlich ist zeigt sich im Kanton Jura, wo Niederschläge in höheren Lagen sofort im Karstboden versickern. Dort sind die Brunnen selbst in der warmen Jahreszeit vielerorts nicht in Betrieb.