Das Fest Fronleichnam (altgerm. fron… Herr und liknam… Leib) wird zur Verehrung der Eucharistie am Donnerstag nach dem Dreifaltigkeitsfest (erster Sonntag nach Pfingsten) gefeiert. Bis in die sechziger Jahre wurden in Oberwil an Fronleichnam prächtige Prozessionen durchgeführt. An bestimmten Orten im Dorf wurden blumengeschmückte Altare aufgebaut, wo der Leib und das Blut Christi verehrt und das Volk sowie die Fluren gesegnet wurden.
«Der Sonntag nach Fronleichnam war ein Hochfest mit Prozession zu den vier Altärchen. Das erste schmückte meine Cousine Luzia Degen. Es war jeweils auch das schönste. Wir Kinder mussten alljährlich bei den gleichen Leuten Teppiche uind Blumenstöcke aus dem ganzen Dorf zusammen tragen. Auch wurde regelmässig in unserer Küche gekränzt, z. B. Kränze aus Efeu, wobei die Efeublätter vorher in der Allmend eingesammelt wurden. Dass beim Kränzem auch der gemütliche Teil und die Tranksame nicht zu kurz kamen, dafür sorgte meine Mutter bestens. Sie liess sich diesbezüglich nie lumpen.»
Leo Kunz-Gutzwiller (1918 – 2002)
Der erste Altar stand an der Verzweigung Hohlegasse – Schmiedengasse. In Hintergrund ist die Matte des Kuenzehuus zu sehen.
(Ae)
«Wenn dann der Prozessionszug, angeführt vom Musikverein, den Kindern, den weissen Mädchen, die die in ihren ungehängten Körbchen befindlichen Blumenblätter auf den Boden streuten und der Herr Pfarrer mit der Monstranz in den Händen und dem von den Kirchenräten getragenen Baldachin bei Luzias Altärchen eintraf, schlug unser Herz höher. Die Aufmachung unter unserer Linde war mustergültig und unschlagbar.»
Leo Kunz-Gutzwiller (1918 – 2002)
Blumenmädchen vor dem wunderschön geschmückten Altar in der Hohlegasse. Links im Bild ist das alte Konsum (Hohlegasse 3) zu erkennen.
(Dü)
Nach dem Segen mit der Monstranz bewegte sich die Prozession zum 2. Altärchen. Dieser befand sich am Ende der Schmiedengasse gegenüber der Gärtnerei Ley.
Der Altar stand dort, wo heute die Bienenstrasse in die Allschwilerstrasse mündet. Im Hintergrund oben links auf dem Bild ist die Flur «Haferain» / «Uf dr Wacht» zu sehen.
(Ae)
Andächtiges Niederknien vor der Corpus Christi. Im Hintergrund sind die Treibhäuser der Gärtnerei Ley zu erkennen (heute Bienenstrasse 1 – 3).
(Ae)
Die Prozession ging von der Schmiedengasse weiter die Lättegasse (heute Allschwilerstrasse) hinunter zum Postplatz, wo der 3. Altar stand.
Der dritte Altar stand auf dem Postplatz. Links im Bild ist der Garten des Restaurant Posthörnli zu sehen. Dort wo die Gläubigen stehen, befindet sich heute der Kreisel auf dem Postplatz. Die Personen, welche die Velo stossen, laufen die Bottmingerstrasse hinauf. Dahinter befindet sich der Bauernhof der Familie Binggeli. Heute befindet sich dort das UBS-Hochhaus.
(Ae)
Geschmückter Altar und Brunnen auf dem Schwanenplatz (AG Ob)